Sonntag, 28. Februar 2010

Es hatte schon seine Gründe warum man die Klinik auf einen Berg gebaut hatte..


Teil 2

In den nächsten 2 Jahren passierte abnehmtechnisch recht wenig.
Ich machte 4 Tage Trennkost.ich fand die Idee von Anfang an doof aber meine Mutter nahm damit 20 Kilo ab also konnte es ja nicht so übel sein.

Nach 4 tagen stand ich Nachts um halb 3 in der Küche und schmierte mir ein ganze Baguette mit Butter voll und haute mindestens den Schinken von 3 ausgewachsenen Schweinen drauf.Also auch nicht geglückt.

Ich war mehrmals in Begriff die Brigittediät anzugehen aber irgendwie wurde daraus nie etwas.
Gute Ansätze hatte ich öfters...sehr oft um genau zu sein.

Ich versuchte es mit fdh obwohl es bei mir eigentlich eher f-e-d-h-a-m-n-e-m-d-u-b-d-s
(Übersetzung: friss die Hälfte aber mach noch etwas mehr daraus und bescheiss dich selber)

Diese Methode versuchte ich in paar mal.

Tja und dann kam meine Nulldiät.Ich kriege Hunger wenn ich nur dran denke.
Ich denke jeder dicke Mensch hat schon mindestens einmal in seiner Laufbahn eine Nulldiät probiert.Ich hab da auch nix gegen solange man daraus lernt...und ihr könnt mir glauben...
ich hab daraus gelernt.

Mein Tag sah ungefähr so aus:

Zum Frühstück gabs Nektarinen...mittags auch.Achja und abends hmm was gabs da? Ach ja Nektarinen.

Ich nahm in diesen 4 tagen des Grauens...der essensphantaisen und der kannibalischen Absichten knapp 4 Kilo ab...
Diese Nulldiät endete übrigens fast genauso wie die Trennkost...nur mit Salami statt Schinken.


Ein weiterer Knaller war meine Slimfast Erfahrung.
Meine Oma betete mir von morgens bis abends vor das ich zu dick bin ich soll bitte etwas dagegen tun.Ich kannte diese Leier schon und nickte nur verständnisvoll während ich fernsah und aß.
Eines Tages schleppte mich mein Omilein mit in die Apotheke um das Wundermittel überhaupt zu kaufen.Slimfast.die größte Erfindung nach der Glühbirne, das war das worauf die gesammte Menschheit seit Jahrtausenden wartete und ich bekam es.Die.Die Freude hielt sich jedoch in grenzen.
Ich nahm Slimfast ein einziges mal zu mir.ja und es wirkte..irgendwie.



Nach einem schönen großen Glas slimfast schoko (ich hab es mir verkniffen diesem Wundervollen Getränk ein topping von feinster sprühsahne zu verpassen) war ich irgendwie in Ölsardinen-Stimmung...es wäre wohl an dieser stelle wichtig zu erwähnen das ich Ölsardinen auf den Tod nicht ausstehen kann.
Also war der Slimfast-Traum auch ausgeträumt...welch Verwunderung wer träumt schließlich nicht davon sein ganzes leben eine bräunliche Brühe zu trinken die ungefähr so schmeckt als würde ich einem Toten die Zehen abschnullen.

Eines Tages sah ich Abends mit meiner Mutter fern.
Es kam eine Reportage über übergewichtige Kinder die in Berchtesgaden auf Kur waren.
Meine Mutter sah mich mich sehnsüchtigen Augen an...ich wusste genau was sie mir mit diesem Blick sagen wollte und ich erwiderte „VERGISS ES“

Ich lies mir die Sache aber durch den Kopf gehen und am nächsten Tag meinte ich zu meiner Mutter: ich will dahin schau mal bitte wo man sich da anmelden muss.

Eine halbe Stunde später rief sie direkt bei der Klinik an und danach bei der Krankenkasse damit wir einen Antrag zugeschickt bekamen.

Ein Tipp für alle die einen Antrag auf eine Kur stellen:
die meisten Krankenkassen lehnen diese Anträge meistens sofort ab.Deswegen ist es wichtig sofort Widerspruch einzureichen und Gründe anzugeben warum man selbst oder sein Kind auf Kur muss (z.b Körperliche oder Seelische Beschwerden)

Nach dem Widerspruch wurde mein Antrag bewilligt.
Dann gings noch ab zum Arzt Blutabnehmen ( ich hatte seltsamer weise aber auch glücklicherweise einen sehr niedrigen fettwert im Blut) um nach der Kur einen Vergleich zu haben.

Im Mai 2004 ging es dann los.mein Eltern fuhren mich nach Berchtesgaden und ich aß auf dem Rücksitz meine letzte 10er Packung Knoppers.

Als wir ankamen und „einchecktenhaha..ich konnts mir einfach nicht verkneifen.
Wurde ich untersucht,gewogen und gemessen.

Meine Eltern blieben noch 2 tage da und haben mich vergessen *g
sie wollten sich eigentlich von mir verabschieden aber das ging dann wohl irgendwie im Stress unter..aber ich denke es war gut so und vielleicht auch etwas geplant.

Ich blieb 5 Wochen in Berchtesgaden.
Heute habe ich es in schöner Erinnerung aber damals war es teilweise die Hölle.vor allem der sport.
Das erste was mir in der Klinik gesagt wurde war der grausame Satz „alles was in Berchtesgaden ist wird gelaufen“ und glauben sie mir..Berchtesgaden kann riesig sein.

Wir lernten 6 Mahlzeiten am Tag zu essen und machten viel Sport. Schule gab es fast keine...in den 5 Wochen hatte ich insgesamt 1 Stunde schule.
Ich nahm 7 Kilo ab und fühlte mich super.ich nahm zu hause auch noch die restlichen 3 Kilo ab doch es war einfach nicht zu schaffen.

Ich konnte nicht von heut auf morgen sagen „ alles was in Nürnberg ist wird gelaufen“ ich wär heut noch unterwegs...




ich konnte nicht 5 tage die Woche jeweils 6-9 Stunden in die schule gehen und dann auch noch 2 Stunden joggen,schwimmen oder berge hochklettern.das fiese an der Abnehmklinik war dass sie auf einem Berg gebaut war...intelligent gemacht.


Da mir der Gedanke auf eine abgelegene Alm ohne Telefon,Auto oder Kontakt zu anderen Menschen missfiel vergaß ich alles was ich auf der Kur gemacht hatte und aß wieder fröhlich.

Kommentare:

  1. Wow, ich muß sagen, Deine Beiträge sind total interessant zu lesen. Was mir dabei die ganze Zeit im Kopf rumgeht ist die Frage, ob Du weißt, warum Du so oft und so viel gegessen hast. Denn irgendwie dreht sich ja alles um das Essen (was auch noch durch den Druck abnehmen zu müssen verstärkt wird). Ich kann mir vorstellen, daß das eine sehr persönliche Frage ist. Also mußt Du um gotteswillen nicht darauf antworten, wenn das so sein sollte.

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  2. dankeschön das freut mich :)

    ich war letztens bei einem therapeuten, da ging es aber eher um allgemeines.
    ich hab ihm das dann erzählt, also wie lange ich schon mit dieser ich sag mal essstörung lebe.
    es sind so dinge aus meiner kindheit die ich einfach mit essen verbinde.
    mein vater war recht lang arbeitslos und wir hatten zwar nie am hungertuch genagt aber als er dann wieder eine arbeit hatte waren meine eltern einkaufen und ich kann mich noch daran errinnern dass der gesamte kofferraum voll mit tüten war.
    ich denke mal dass es erlebnisse wie diese sind die mich dazu treiben am essen zu hängen..mehr als andere.

    der therapeut (der übrigens der erste in meinem leben war der auf anhieb meine lage verstanden hat) meinte dann es wäre vielleicht nicht schlecht wenn ich mir ein hobby oder ähnliches zu legen würde was mich noch mehr als das essen ausfüllt.leichter gesagt als getan^^

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  3. Deine Beiträge sind sehr interessant! Weil ich deinen Blog nicht sehr lange lese, bin ich nach diesem Post nochmal komplett zurück gegangen und hab nach einem Ganzkörperbild gesucht :D Um das ganze mal nachvollziehen zu können ^^ Ich weiß dass dir das wahrscheinlich total egal ist, aber ich finde es gar nicht schlimm, dass du ein paar Pfunde mehr auf den Rippen hast, weil du sehr sympathisch rüber kommst und es mir - wenn du nicht mit dem Thema vor kurzem angefangen hättest - wahrscheinlich nicht mal aufgefallen wäre. Aber andererseits weiß ich wie unwohl man sich in seinem eigenen Körper fühlen kann, deswegen finde ich es sehr beneidenswert, dass du versuchst etwas dagegen zu tun - vor allem weil ich da eher sehr inkonsequent bin :D
    Was machst du eigentlich, also Schule, Uni , Ausbildung? Weil beim letzten Post meintest du ja, dass dir Sportarten wie Judo oder Tennis nicht liegen...Naja, mein Ding ist Sport auch nicht, aber ich hab mich seit letztem Jar beim Unisport angemeldet und da kann man ja soooo vieles ausprobieren. Also vllt wäre das ja auch was für dich ;)

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  4. Da hat der Therapeut wahrscheinlich recht. Wenn man sich Lebensinhalte schaffen kann, die einem genausoviel Genugtuung verschaffen, ist man auf dem richtigen Weg. Essen wirkt ja auch auf das Belohnungssystem im Gehirn, also kann man danach genauso schnell süchtig werden, wie nach allen anderen Dingen. Das coole daran ist, das man sein Gehirn umtrainieren kann so daß es andere Arten von Essen (oder z.B. Sport, Tanzen...) als belohnend empfindet. Aber das ist ziemlich hart. Ich drück Dir jedenfalls ganz fest die Daumen und wünsche Dir viel Erfolg.

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  5. Ich hab so sehr auf diesen eintrag gewartet *_*! Toll Flauschi!
    Ich freu mich auf den nächsten teil...
    ÄH gehts denn weiter? xD

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  6. Sehr interessant zu lesen!
    Manche Verwandte sind nicht gerade die Motivation, die man in solchen Situationen braucht. Ich finde solche Kliniken an sich nicht falsch, aber solch ein straffen Sportplan o.ä. kann man zu hause nicht durchziehen. Wie du schon geschrieben hast, muss man ja schließlich noch in die Schule und so.
    Weier so und wünsche dir alles Gute =)

    Liebe Grüße

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